Internetradio-Interview mit ND Walsch von 2004

Ein Radio-Interview übers Internet von 2004, das aus der Sicht eines Laien in zahlreiche Botschaften der Gespräche mit Gott eintaucht. Diese Transkription enthält kleinere Änderungen und umfasst hier und da etliche zusätzliche Worte, die Neale hinzu geschrieben hat, während er die Originaltranskription durchlas, Worte, die einen Punkt deutlich werden lassen.

 

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Internet-Radio-Interview mit Neale Donald Walsch

bei: SpiritualGrowthMonthly.com



Matt: Willkommen allerseits.

Ich bin Matt Clarkson von SpiritualGrowthMonthly.com . Heute ist jemand bei mir, den man als einen Propheten der modernen Zeit bezeichnen könnte. Er ist ein Bestseller-Autor, seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt und werden auf der ganzen Welt verkauft.



Bald kommt ein Film heraus, auf den wir uns alle freuen. Er hilft ganz wörtlich dabei, das Verständnis der Welt von Gott und der Spiritualität neu zu definieren. Also, ohne alle Geheimnistuerei, lasst mich euch den heutigen Gast vorstellen, es ist Neale Donald Walsch, der Autor von Conversations with God. Willkommen, Neale.



Neale: Danke, Matt. Und lass' mich ganz am Anfang der Show etwas korrigieren. Ich möchte kein „spiritueller Prophet der modernen Zeit“ genannt werden, und ich hoffe, niemand wird je, je, jemals diese Bezeichnung benutzen.



Ich denke, gerne höre ich spiritueller Botschafter der heutigen Zeit, und ich denke, es gibt da eine enorme Abstufung zwischen dem Wort „Botschafter“ und dem Wort „Prophet“. Das Wort „Prophet“ wird weitgehend auf Menschen bezogen, die irgendwie etwas über die Zukunft wissen, oder die eine Art Einsicht, Gewahrsein oder Weisheit haben, die größer ist als bei einem Anderen. Das wäre das Gegenteil davon, was ich bin.



Auf der anderen Hand, ein Botschafter ist schlicht jemand, der in einen Raum geht und dir ein Telegramm aushändigt. Des Öfteren ist die Botschaft nicht von ihm geschrieben, vielmehr trägt er eine Botschaft von jemand anderem.



Das beschreibt viel passender und akkurater, wer ich in der Welt bin; lasst uns also nicht sagen „Neale Donald Walsch, der Prophet“, ich komme gut damit zurecht, wenn man sagt „ND Walsch, der Botschafter“.



Matt: Okay, „der Botschafter“ bist du. Wie kam es dazu, dass du ein Gespräch mit Gott führtest und ein Buch darüber geschrieben hast? Kannst du diese Geschichte erzählen, für all die, die davon nichts gehört haben?



Neale: Also, in meinem Leben gelangte ich in Epoche, wo gar nichts mehr lief. Mein Leben fiel auf jeder Ebene auseinander – mit meiner Gesundheit ging es rapide bergab, ich hatte keine Arbeit mehr und keine Hoffnung auf eine baldige Anstellung.



Ich hatte meine Beziehung mit einer Lebensgefährtin verloren. Nichts klappte in meinem Leben, also wandte ich mich an Gott, wie wir es öfters in schierer Verzweiflung tun. Ich schrie mitten in der Nacht, an einem Tag, als ich morgens um vier Uhr wach wurde.



Ich ging umher, ich rannte in Wirklichkeit umher, dort in dem größeren Teil meines Hauses, ich lief im Dunkeln, und ich rief in meinem Geist: „Was muss kommen, damit mein Leben klappt? Was muss ich getan haben, um ein Leben von derartigem fortlaufenden Kampf zu verdienen?



Hilf mir, jemand soll mir helfen! Gib mir einige Regeln – äußere dich vor mir über die Regeln des Spiels hier. Ich werde es spielen, ich brauche einfach das Regelbuch“. An der Stelle fand ich ein gelbes Notizbüchlein auf dem Kaffeetisch vor mir.



Ich setzte mich auf die Couch, es war Mondlicht, holte mir das gelbe Büchlein und begann einen sehr wütenden Brief an Gott zu schreiben. Dann hörte ich eine Stimme – so simpel war das – über meiner rechten Schulter, die sagte: „Neale, möchtest du wirklich auf all die Fragen Antworten haben, oder lässt du einfach Luft ab?“



Das war der Anfang davon, was in eine 14-jährige Unterhaltung mit Gott mündete. Diesen Namen habe ich gewählt. Es ist eine Erfahrung der Gemeinschaft, denke ich, der Gemeinschaft mit dem Ort höherer Weisheit, die in uns allen liegt, und er ist zugänglich und durch uns alle abrufbar.



Ich habe schlicht niedergeschrieben, was ich als Resultat dieser Verbindungen und Gespräche in meinem Geist erlebt habe, und stellte sie in das zusammen, was sich als eine Serie von Büchern herausstellte, die offensichtlich die Aufmerksamkeit einer großen Zahl von Menschen in der Welt auf sich lenkten.



Über sieben Millionen Menschen haben Gespräche mit Gott-Bücher gelesen. Sie wurden in 34 Sprachen übersetzt.



Matt: Als du in dem Geschehen warst, wie kommunizierte Gott mit dir?



Neale: Wie ich es sagte, es war eine Stimme, die ich hörte, zunächst im Raum, und dann in meinem Geist. Es kommt zu mir als die Stimme meiner eigenen Gedanken, wenn du so willst, und so findet die Kommunikation statt. Ich habe einfach einen Gedanken, der aus mir kommt, ich will eine Frage stellen oder mir ein Thema recht genau anschauen, und plötzlich wollen Gedanken und Wörter zu mir kommen, und wenn ich sie schnell genug zu Papier bringe, sind sie aussagekräftig und besitzen etliche Schlüssigkeit.



Mit dieser Methode sind nun 10 Bücher zustande gekommen, das war eine erstaunliche Kontinuität und Konsistenz vom ersten Buch bis zum letzten. Das allerneueste und letzte dieser Bücher ist Zuhause in Gott: in einem Leben, das nie endet.



Matt: In deinem zweiten Buch habe ich gemerkt, du sprachst über den Prozess, dich mit Gott einzulassen, und wie es mitunter eine ziemlich lange Zeit braucht, bis die Antwort kommt. Ist das etwas, wo du vor deinem Schreibtisch saßt und mit Gott kommuniziertest, oder ist es etwas, das immerzu zu dir kommt? Ich bin einfach neugierig, mehr darüber zu erfahren, wie dieser Kommunikationsprozess funktioniert.



Neale: Der Prozess braucht, so ist es bei mir, nicht lange, obgleich es da in ihm Lücken und Pausen geben kann. Wenn ich eine Frage stelle und mich tief mit der ewigen Weisheit verbunden fühle, kommt die Antwort unverzüglich, wie ein Blitz. Die Antwort braucht also nicht lange, aber ich habe es erlebt, in meinem Leben gab es riesige Lücken in dem Prozess selbst. Das heißt, es gab Zeiten, als ich mich einfach nicht mit der ewigen Weisheit verbunden fühlte, mit dem Göttlichen, wenn du so willst, und wenn mir diese Verbundenheit fehlt, klappt der Prozess einfach nicht. Ich habe zwei Dinge in meinem Leben getan. Ich tat was immer ich konnte, um mit dieser Quelle göttlicher Weisheit verbunden zu bleiben. Nummer zwei, ich benutzte diese Verbindung, um immerzu jene Art Fragen zu stellen, die meines Erachtens der größten Anzahl von Leuten zugute kommen würden.



Matt: Offensichtlich gibt es eine Menge Leute in der Welt, die behaupten, in Kommunikation mit Gott zu stehen, und sie haben diverse Systeme und Theologien aufgestellt. Es scheint, es gibt diese und es gibt jene Sicht auf Gott. Wie unterscheiden wir zwischen dem, was wirklich Gottes Mitteilung ist, und dem, was von einer anderen Quelle her kommt?



Neale: Indem wir nach innen gehen. Die letzte Wahrheit liegt innen, und alle großen spirituellen Lehrer wollen uns das sagen. Nur mindere spirituelle Lehrer, darunter falsche Lehrer, werden uns sagen, die Wahrheit liege außerhalb von uns. Nur falsche Lehrer werden sagen: „Letztlich, höre auf das, was ich sage.“ Die echten Lehrer werden sagen: „Höre auf das was dein Selbst – mit groß-geschriebenem 'S' – zu dir selbst sagt. Es mag sein, du fasst einige meiner Worte ins Auge, letztlich aber schaue nach innen und sieh, ob sie für dich wahr klingen. Wenn nicht, so nimm von ihnen Abstand.“



Ich sage das jedem, sowohl in meinen Büchern, als auch, wenn ich über meine Bücher rede. Wenn sich etwas, was ich geschrieben habe, für dich nicht wahr anfühlt, dann weise es rasch zurück und lege es aus der Hand. Auf der anderen Seite, wenn dir etwas, was ich gesagt habe, wahr klingt, und wenn du fühlst, es stehe mit deiner eigenen, tiefsten, inneren Wahrheit in Übereinstimmung, dann begrüße es auf der nächsten Ebene; das meint, begrüße es voll und ganz und gib dir statt, es desgleichen voll und ganz auszuleben.



Matt: Impliziert das, dass wir Gott auf eine relativistische Weise erfahren, und dass Gott keine Art objektiver Realität aufweist, dass es kein richtig und falsch gibt?



Neale: So etwas wie eine objektive Realität gibt es nicht. Alles ist subjektiv; das heißt, alles wird durch dich erfahren, und nichts wird objektiv erfahren, außerhalb von dir erfahren. Die Quantenphysik macht das soeben sehr klar, und hat das über die vergangenen 25 oder 30 Jahre klar herausgestellt.



Die Quantenphysik, nicht die neue Spiritualität, besagt: „Nichts, was beobachtet wird, ist vom Beobachter unbeeinflusst.“ Das meint, alles, was existiert, wird von der Person, die darauf schaut, beeinflusst und erfährt von ihr eine Einwirkung, abhängig davon, wie sie darauf schaut, abhängig von dem Winkel, aus dem her sie es ins Auge fasst, von der Perspektive her, die sie innehat.



Das ist aufs Tiefste wahr, und es stimmt auch in diesem Fall, aber es nicht ausschließlich oder exklusiv eine spirituelle Wahrheit, es ist auch wissenschaftliche Wahrheit.



Matt: Eine der großen Fragen, über die du in deinem Buch sprichst, lautet: „Wenn ich wirklich mit Gott rede, weswegen beweist du dich nicht in einer unwiderlegbaren Weise“ ....



Neale: Also, schau, es existieren keine unwiderlegbaren Weisen. Das ist der ganze Punkt, von dem ich soeben sprach. Es existieren keine unwiderlegbaren Weisen, da es so etwas wie Objektivität, das meint: völlige Objektivität, nicht gibt. Noch einmal, alles, was erlebt wird, wird von dir erlebt, und du magst es auf jede Weise erfahren, die du dir wünschst, aber es wird durch den Filter erfahren, der du bist. Du magst es anders erfahren als ich, deswegen ist alles, was ich sage, von jemand anderem widerlegbar.



Auch dann, wenn Gott hier herunter käme, würde Gott die Frage stellen: "Auf welche Weise würdest du es für unwiderlegbar halten? Ich bin bereits heruntergekommen, ich habe bereits meine Gegenwart bekannt gemacht, ich habe bereits meine Realität (die Realität Gottes) millionenfach bekannt gemacht, aber es gibt eine Million Menschen, die mit jeder dieser Weisen nicht einverstanden sind, und die behaupten, das sei nicht die Wahrheit."



Es schaut demnach danach aus, dass du deinen eigenen Weg finden musst, was, das ist klar, dasjenige darstellt, was ich dir von Anfang an gesagt habe!



Matt: Du sagst, Gott spricht fortlaufend zu uns, aber wir hören nicht zu.



Neale: Außer wir tun es.



Matt: Außer wir tun es!



Matt: Wie können wir also lernen, mehr auf Gott zu hören und mehr von Gott in unser Leben hinein zu bringen?

 

Neale: Indem wir es wünschen. Das ist keine Frage des Lernens – da gibt’s nichts zu lernen. Das wäre so, als würden wir sagen: Wie können wir lernen zu lieben? Lieben und auf Gott Hören sind das gleiche. Ein Säugling muss nicht angeleitet werden, wie zu lieben ist; ein Säugling wird darin unterrichtet, wie nicht zu lieben ist, und wir verbringen den Rest unseres Lebens damit, einander zu lehren, wie es nicht zu lieben gilt.

 

Lieben und Gott zuhören sind das gleiche, deswegen lautet die Antwort auf deine Frage: wir müssen nicht lernen, wie es geht, Gott zuzuhören, wir müssen uns schlicht dafür entscheiden, und, sobald wir uns einmal dafür entschieden haben, wird die Art und Weise, wie wir es tun, uns augenscheinlich werden. Es wird direkt vor unseren Augen auftreten, und es wird Millionen an Wegen dafür geben. Es existiert nicht bloß ein einziger Weg.

 

Deswegen ist es nichts Einfaches, zu sagen: „Auf diese Weise kannst du lernen, das zu tun“, weil es keinen einzelnen Weg gibt, um zu lieben, und weil es keinen einzelnen Weg gibt, um Gott zuzuhören. Gott möchte mit dir jeden Tag kommunizieren, auf tausendfältige Weise, von Augenblick zu Augenblick ... die Worte des nächsten Songs, den du im Radio hörst, das Bild, das du auf der Plakatwand siehst, nachdem du um die Ecke gegangen bist, die beiläufige Äußerung eines Freundes auf der Straße, Worte, die du in deinem Geist hörst, Träume, die du hast, und tausend andere Weisen, die Gott entworfen hat, um mit uns zu kommunizieren.

 

Matt: Glaubst du, Gott hat eine Persönlichkeit, die zu verbaler Kommunikation in der Lage ist?

 

Neale: Gott hat eine Form und Gestalt, die sich mit alldem überschneidet, was wir auch immer wählen, uns als seine Form und Gestalt vorzustellen. Es gibt nichts, was Gott nicht ist. Gott ist die Essenz des Lebens selbst, die grundlegendste und fundamentalste Energie im Universum.

 

In einem gewissen Sinne ist Gott ein Formwandler. Das meint, Gott, oder das, was wir Gott nennen, die Essenz der Höchsten Intelligenz im Universum, kann jede Gestalt oder Form annehmen, die uns vom einem zum anderen Augenblick gefällt.

 

Die Antwort auf deine Frage lautet demnach Ja und Nein. Ja, Gott ist eine Persönlichkeit, die aktuell zu uns spricht. Nein, Gott ist das nicht, Gott ist die Essenz des Lebens selbst, ist die Energie, die fundamentalste Essenz des Universums. Gott ist alles des Oberen und kann durch keinerlei Definition ausgeschlossen werden.

 

Matt: In deinen Büchern sprichst du über die Tatsache, dass wir dazu neigen, Gott im Profanen nicht zu sehen, nicht in den Dingen, die uns angreifen.

 

Neale: Das ist korrekt.

 

Matt: Eine Menge Leute fühlen sich frustriert und könnten sich mit dem, wie ich meine, identifizieren, was du am Anfang des Buches sagtest – das Gefühl, Gott versuche irgendwie, sie auszubremsen, sie davon abzuhalten, Fortschritte zu machen, oder die Dinge hinzubekommen, die sie in ihrem Leben wollen. Beantwortet Gott jemals Gebete nicht?

 

Neale: Die Vorstellung eines Gottes als Nikolaus im Himmel, der zu den einen Anfragen 'Ja' und zu anderen 'Nein' sagt, ist eine sehr schlichte und primitive, vereinfachende Sicht auf Gott, so wie die Frage, die du gestellt hast, eine sehr schlichte, primitive, vereinfachende Frage ist.

 

Es ist nicht die Aufgabe Gottes, auf Gebete zu antworten oder es nicht zu tun; es ist Gottes Aufgabe, uns zu ermächtigen, das zu erschaffen, was wir unserer Wahl gemäß in unserem Leben erfahren wollen. Oder, falls wir die Wahl treffen, uns Blockaden in unseren Weg zu stellen, uns davon abzuhalten, dasjenige zu erleben, was wir unserer Aussage gemäß erleben wollen.

 

Gottes Job ist es nicht, irgendwas zu erschaffen oder fortzuschaffen, ist es nicht, zu etwas Ja oder Nein zu sagen. Gottes Job (um menschliche Begriffe zu verwenden), oder die Funktion des Lebens, wenn du so willst, ist es, schlicht all das, was Leben erschafft, zu ermächtigen, mehr Leben auf welche Weise auch immer, die das Leben wählt, zu erschaffen. Das Leben ist ein Prozess, der das Leben über das Leben mittels des Prozesses des Lebens Selbst informiert.

 

Matt: Weswegen ist es in diesem Falle so, dass etliche Gebete unbeantwortet bleiben? Das klingt soeben ziemlich wie dein Buch.

 

Neale: Nun, aus dem Grunde, den ich gerade genannt habe. Gebete bleiben nicht unbeantwortet. Wir erschaffen die Ausgänge, die wir erschaffen. Manchmal erschaffen wir Ausgänge, die mit dem, was wir laut unserer eigenen Aussage als unsere höchsten Bestreben darstellen, übereinstimmen, und manchmal erschaffen wir Wirklichkeiten, die nicht mit dem in Einklang stehen, was wir als unsere höchsten Bestreben ausgeben. Das heißt, manchmal sagen wir das eine und tun etwas anderes. Das ist eine recht verbreitete menschliche Erfahrung.

 

Matt: Es scheint eine Kluft zu geben zwischen dem Anbringen einer Anfrage, dem Versuch, einen Wandel zu manifestieren, den wir uns in unserem Leben wünschen, oder dem, dass wir etwas zu erschaffen wünschen, einerseits, und dem Vorkommnis, das tatsächlich vonstatten geht. Gibt es deiner Ansicht nach etwas, was getan werden kann, um diese Kluft zu verringern, oder ist das schlicht auch eine Arbeitsweise des Universums?

 

Neale: Ich weiß nichts davon, dass es irgend eine Länge an Zeit zu geben habe. Zeit ist eine Funktion unserer Vorstellungskraft, und ich bin nicht der Überzeugung, dass es eine bestimmte Zeitdauer geben muss, die zwischen der Zeit zu vergehen hat, die wir wählen, um etwas hervorzurufen, und der Zeit, wann es sich in unserer Realität manifestiert.

 

Ich denke nicht, dass Zeit eine notwendige Funktion der Schöpfung ist. Das Ausmaß an Zeit, die verstreicht, ist eine Angelegenheit des Grades unseres Wissens, das sich um das Ergebnis schart.

 

Ein Beispiel. Gehen wir in unser Schlafzimmer und drehen wir am Lichtschalter, so müssen wir nicht 15 oder 20 Minuten warten, bis das Licht angeht, da wir wissen, das Licht wird angehen, und wir haben einen letztlichen und völligen Glauben daran.

 

Tatsache ist, wir gehen noch weiter als Glauben; wir begeben uns zu einem Ort des Wissens. Wir sind uns aufs Tiefste gewahr, auf einer Wissensebene gewahr, dass der Lichtschalter die Lampen zum Leuchten bringt. Außer es gibt eine kaputte Birne oder ein Problem im elektrischen System ... die Lampen gehen an.

 

So auch steht es um gewisse andere Sachen in unserem Leben, darunter unsere eigenen Reaktionen auf Dinge und auf unser eigenes Verhalten. Allerdings, in dem Maße, wie wir uns fragen, ob etwas eintreten wird, in dem Maße, wie wir das in Frage stellen, in dem Maße, wie wir es eine Sekunde lange bezweifeln, in dem Maße haben wir die Erfahrung der verstreichenden Zeit erschaffen. Wir veranlassen uns selbst dazu, auf die Ergebnisse warten zu müssen, auf die wir aus sind, sie zu manifestieren.

 

Von spirituellen Meistern und Avataren indes wird berichtet, sie hätten die Erfahrung des Wartens ausgeschaltet. Sie streben eine bestimmte Erfahrung an und rufen sie aufeinmal hervor, da sie wissen, dass es keinen Grund gibt, weswegen das, was sie wählten, nicht in dem Instanten Moment des Jetzt manifest gemacht werden könnte.



Matt: Du sprichst in deinem Buch unter anderem darüber, dass der Prozess des Bittens um etwas in sich trägt, dass man es nicht bereits hat, und dass dieser Ansatz – der pure Akt des Anfragens – im Eigentlichen die Sache, die man möchte, fortstößt ....

 

Neale: Ja, selbstverständlich, das stimmt. Du bittest nicht um etwas, was du bereits hast. Du möchtest nicht etwas, was du bereits besitzt.

 

Du bittest um keine Brille, wenn du bereits eine Brille trägst. Leute, die Brillen tragen (es gibt niemanden, den ich kenne und der eine Brille trägt, dem das nicht bereits untergekommen ist), mussten über sich selbst lachen, als sie nach ihrer Brille suchten, während sie sie auf hatten.

 

Du schaust nicht nach Dingen, die du bereits hast. Demnach führt uns der pure Akt des Bittens um etwas letztlich davon weg, es zu manifestieren, da du gegenüber dem Universum, das sehr sorgfältig auf deinen Gedanken über etwas hinhört, kundgibst, dass du es jetzt nicht hast. Das wird zu deiner Wirklichkeit, da das Universum von „Zeit“ nichts weiß. Was du Jetzt sagst, ist für dich Jetzt wahr, und es wird weiterhin für dich wahr sein, bis du etwas anderes sagst.

 

Siehst du nun, wie machtvoll du bist? Gott sagt wortwörtlich: „Dein Wort sei mein Befehl.“

 

Freilich gibt es viele Dinge, die wir haben, von denen wir nicht wissen, dass wir sie haben; das meint, es existiert nicht in unserer laufenden Erfahrung. Wir haben unsere Schlüssel irgendwo liegen gelassen, wir können unsere Handschuhe nicht finden, wir haben die Liebe eines anderen, aber wir sind uns dessen nicht gewiss. Demnach wissen wir nicht, dass wir diese Dinge haben. Wir haben sie, aber wir wissen es nicht. Wir gehen zu diesem Menschen hin und sagen: „Liebst du mich?“, und sie sagen: „Natürlich liebe ich dich. Du weißt, ich liebe dich, ich habe dir das tausendmal gesagt. Wieso weißt du das nicht?“ Und wir sagen: „Ich weiß nicht, warum ich das nicht weiß, ich wollte dich das einfach noch einmal fragen.“ Was daran stimmt, ist, wir können an das nicht glauben, was ein anderer uns sagt. Wir können es inwendig in uns nicht glauben, dass wir liebenswert sind, wieso könnte dann ein Anderer uns lieben?

 

Es gibt also Vieles, das wir haben, und von dem wir nicht wissen, dass wir es haben. Das wird als die Wolke des Unwissens bezeichnet. Wenn unser Blickfeld bewölkt ist. Wir möchten, dass das Flugzeug abhebt, doch die Sicht ist beschränkt. Wir möchten, dass unser Leben wirklich abhebt, aber die Sicht ist beschränkt.

 

Meister, auf der anderen Hand, sind diejenigen, die bereits wissen, dass sie alles haben, auf das sie je hoffen können oder was sie zu erfahren wünschen können, eben hier, eben jetzt. Sie können das sehen, da sie unbegrenzte Sicht haben. Sie wissen, es geht schier um eine Frage des Wählens, was sie begehren, und sodann um das Herbeirufen dessen aus dem Meer der unbegrenzten Möglichkeiten. Und das ist der Prozess, durch den Meister manifest machen, in physischer Realität manifest machen, was sie zu erfahren wünschen.

 

Matt: Du sagst, Gott hat dir gesagt, der „stiftende Gedanke“ sei bedeutsamer als der zweite Gedanke, der das Ansinnen vorträgt.

 

Neale: Eben das sage ich hier. Wenn wir einen stiftenden Gedanken haben - eine tief angesiedelte anfängliche Idee -, dass wir bereits dasjenige haben, was wir jetzt nicht erfahren, können wir es sodann rascher erfahren.

 

Zum Beispiel in Sachen der Liebe; wenn dein stiftender Gedanke lautet: „Liebe ist mein. Nicht nur, dass ich Liebe habe, ich bin Liebe“, wirst du die Erfahrung dessen zügig machen. Du wirst die Erfahrung machen so bald, wie du die Wahl triffst, wahrzunehmen, dass du das bereits bist und es hast.

 

Es ist somit eine Sache des Erschaffens eines stiftenden Gedankens, der die Ergebnisse erzeugt, die wir in unserer relativen Realität erfahren möchten, ziemlich bald. Stiftende Gedanken – das meint, tief verankerte Ideen über etwas – sind gewöhnlich deine ersten Gedanken über etwas ... aber sie müssen nicht das letzte Wort zu einem Thema sein. Einen stiftenden Gedanken kann man nicht ändern, aber man kann an ihm einen neuen anfügen. An der Stelle wird es nützlich zu sagen „Auf einen zweiten Gedanken ....“

 

Sobald dein erster Gedanke für dich aufkommt, und es ist ein stiftender Gedanke, dass du nicht liebenswert oder dass du nicht im Überfluss bist, oder – hier etwas Typisches – dass du „nie so viel Glück hast“, dann sage einfach zu deinem Selbst „Auf einen zweiten Gedanken ...“, und nimm dann einen neuen Gedanken darüber her. Du wirst finden, du kannst aus dem stagnierenden Ort heraus gelangen und etwas Energie in Bewegung setzen, wenn du dich ernstlich diesen neuen Gedanken unterhalten lässt. Das nennt man deswegen die Bewegung des Neuen Denkens.

 

Also, wenn du denkst, du kannst etwas, was du wirklich willst, nicht haben, oder, dass die Welt sich nie ändern wird, oder, dass das Leben einfach so ist wie es ist und es werde nicht besser werden ... also, denke noch einmal. Schaffe einen neuen stiftenden Gedanken. Gedanken stiften Wirklichkeit, demnach erschaffe einen neuen stiftenden Gedanken.

 

Matt: Und du sagst, es gibt zwei Arten von stiftenden Gedanken – Angst und Liebe – ist das korrekt?

 

Neale: Ja. Im Grunde läuft alles Denken auf Angst oder Liebe zu, und jede Wirklichkeit ersteht aus einer dieser sehr grundlegenden und fundamentalen Schwingungen. Es gibt nur zwei grundlegende Schwingungen, und das sind die zwei. Alles andere ist eine Abwandlung des einen Themas.

 

Matt: Gut, falls Gott Liebe ist, dann entsteht die Frage, weswegen Er etwas Schlechtes wie die Angst erschuf?

 

Neale: Gott erschuf eine relative Erfahrung, eine relative Welt. Er erschuf den Bereich der Relativität, in der alle Dinge in Beziehung zu einander existieren, über eine große Skala hinweg.

Es ist so, als würde man sagen, wenn Gott warm erschuf, wieso erschuf er dann kalt? Er erschuf kalt nicht. In einem gewissen Sinne erschuf er warm auch nicht. Er erschuf einfach das Ding namens Temperatur. Das erschuf Gott. Gott erschuf eine Realität, in der alles in unterschiedlichen Graden existiert. Es sind wir, die wir diese Dinge 'gut' oder 'schlecht' nannten.

 

Wenn wir dem beipflichten, dass Gott warm nicht erschuf, sondern vielmehr die Temperatur erschuf, was die erste Ebene der Schöpfung darstellt, dann schauen wir schlicht auf: Welche Temperatur hat es? Sind es draußen 90 Grad? Sind es 30 Grad Celsius? Welche Temperatur hat es? Oder ist es sehr kalt? Und ist das 'gut' oder 'schlecht'? Und das sind Beurteilungen, die wir ausführen.

 

Ich benutze hier ein einfaches Beispiel, um den Punkt herauszuholen. 'Temperatur' ist die elementare Essenz, um dieses einfache Beispiel zu benutzen, der Dinge, die sind. Und so steht es auch mit der Skala von Gut und Böse. Gott erschuf das 'Gute' nicht, auch nicht das 'Böse'. Das sind menschliche Erfindungen und menschliche Definitionen. Gott erschuf einfach Das Was Ist, und es sind wir, die 'gut' und 'schlecht' erschufen, indem wir es so nannten.

 

Nebenbei gesagt, wir ändern diese Schöpfung von Zeit zu Zeit. Das heißt, wir nennen Dinge böse, die vor Jahren nicht böse waren. Wir nennen Dinge gut, die wir vor Jahren nicht gut nannten. Unsere Skala ändert und wandelt sich also von Zeit zu Zeit. Wir sind tatsächlich die Schöpfer unserer eigenen Realität, und wir nennen die Dinge genau so, wie wir die Wahl treffen, dass sie seien.

 

Shakespeare hat es treffend formuliert: „Nichts ist böse, außer das Denken macht es dazu.“



Matt: Wie siehst du die Botschaften der Gespräche mit Gott, wie sie »auf dem Boden« in der Welt von heute zur Anwendung kommen?

 

Neale: Die Botschaft Gottes ist recht simpel, direkt und klar: Wir sind alle eins. Es gibt nur einen von uns; und die Vorstellung der Trennung und dasjenige, was Gott die "Theologie der Trennung" nennt, ist es, was die größte Anzahl unserer Probleme in der Welt erschafft, und beinahe fast alle unserer Konflikte. Das liegt daran - die Theologie der Trennung stellt die Soziologie der Trennung her, die schließlich die Pathologie der Trennung herstellt; sprich, ein pathologisches Verhalten, was uns veranlasst, uns einander anders zu behandeln, als wir uns selbst behandeln würden.

 

Sofern wir diesen einen, einzigen Wandel in der Bewusstheit vollziehen, werden wir die Welt praktisch über Nacht heilen. Und das stellt etwas dar, dessen sich die meisten Menschen, auf irgendeiner Ebene, gewahr sind, allerdings scheinen sie nicht in der Lage zu sein zu erkennen, wie das als eine funktionierende praktische Wahrheit in ihrem alltäglichen Leben in Anwendung zu bringen ist.

 

Was infolgedessen vonnöten ist, ist eine neue Art von Spiritualität, und die Botschaft der Gespräche mit Gott lautet, dass eine solche neue Spiritualität nunmehr auf der Erde recht fruchtbringend sein könnte. Ich rede hier über ein neues Verständnis Gottes und dessen, was Gott will; über ein neues Verständnis des Lebens und dessen, was das Leben wirklich ist; über ein neues Gewahrsein unser selbst, wer wir wirklich sind, und was unsere rechte Beziehung zueinander, zu Gott und zu allem im Leben ist.

 

Diese neuen Verständnisse, hervorgebracht durch eine neue Spiritualität, könnten die Welt verändern. Es wäre für die Menschen in der Welt, um es einmal anders auszudrücken, unmöglich, sich einander so zu behandeln, wie sie sich jetzt behandeln, sofern sie denken, sie würden sich selbst so behandeln. Aber sie sehen das so nicht. Sie sehen den sogenannten »Feind« als »anders« als sich selbst. Ja, in etlichen Fällen sehen sie sogar ihren Feind als Untermenschen, oder als nicht menschlich, als den Untreuen, den Abtrünnigen, als die Person, die es verdient, getötet oder ausgelöscht zu werden, weil sie nicht einmal auf die eine oder andere Weise menschlich sei.

 

Ein fundamentaler Wandel muss infolgedessen stattfinden, das machen die Bücher der Gespräche mit Gott sehr deutlich. Wir müssen unser Bewusstsein wandeln und eine neue kulturelle Erzählung erschaffen, die uns selbst und wer wir in Beziehung zueinander sind, in Beziehung zum Leben und zu dem Ding, was wir Gott, Allah oder Brahman oder Jahwe nennen, oder mit welchem Namen wir auch immer unserer Wahl gemäß das Alles Was Ist bezeichnen, aufs neue definiert.

 

Matt: Ja, das scheint zu passieren. Eine ganze Menge Leute reden über einen enormen Bewusstseinswandel, der vonstatten geht.

 

Neale: Also, es wäre besser, wenn es rascher passierte und in einem größeren Ausmaß. Ich weiß, dass es zu passieren scheint, aber ich denke, was jetzt zu passieren hat, ist eine Beschleunigung in diesem Prozess, eine exponentielle Zunahme in diesem ganzen Geschehen. Sofern wir das nicht sehen, sofern wir das nicht erschaffen, könnte das Leben, so wie wir es auf diesem Planeten kennen, gut und gern ausgelöscht werden, bevor wir die Lösung an Ort und Stelle bringen können.

 

Jetzt gibt es im Universum eine große Kraft, die ihre Arbeit leistet - es ist die Extremisten-Kraft, auf der extremen Linken und der extremen Rechten aller politischen, sozialen, ökonomischen und spirituellen Fragen unserer Zeit.

 

Das sind Extremisten, deren Ansichten nicht bloß ungewöhnlich oder revolutionär sind, sondern in der Tat extrem, und das sind Menschen, die glauben, dass Gewalt ein geeignetes Mittel darstelle, um die Unterschiede, die im Spektrum des menschlichen Denkens existieren, zu lösen.

 

Es sind diese Extremisten, die eine Menge des Terrors geschaffen haben, den wir im alltäglichen Leben unserer Welt vorfinden.

 

Matt: Wenn man sich dieser Art Extremismus gegenübersieht, ist es schwer zu erkennen, was zu tun ist. Wie begegnest du dem, während er deine Wege kreuzt?

 

Neale: Wir haben wieder unbequem zu werden. Die Bequemen sind die Verdammten, in einem gewissen Sinne. Das ist ein alter Spruch, und ich denke, es stimmt ... die Bequemen sind die Verdammten. Sprich, sie sind zu einem Leben der Mittelmäßigkeit verdammt. Das ist eine traurige Wahrheit, dass die meisten Menschen nicht außergewöhnliche Leben führen, weil sie so bequem sind; das meint, die meisten Menschen, zum wenigsten in gewissen Teilen der Welt. Es stimmt nicht für die größte Anzahl der Menschen auf dem Planeten, aber es sind die Unbequemen, die agitieren, und die das immer tun werden. Und es sind die Extremisten unter den Unbequemen, die diese Agitation zu äußerster Länge führen, um es den Bequemen unbequem zu machen.

 

Wir haben also demnach unbequem zu werden, ohne dass es uns unbequem gemacht wird. Anders gesagt, wir haben es nötig, jetzt in dem Augenblick unbequem zu sein, ohne dass auf uns Gewalt ausgeübt wird, um unbequem zu werden. Es ist eine traurige Beobachtung, dass es nicht genügend Menschen unwohl wird bei der Tatsache, dass auf diesem Planeten in einer Stunde 400 Kinder an Hunger sterben. Nicht genügend Menschen ist es bei der Tatsache unwohl, dass in Darfur 500 000 Menschen umgebracht, und dass über zwei Millionen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Es ist eine traurige Tatsache, dass es nicht genügend Menschen bei der Unterdrückung von Massen unwohl ist, bei den Vorurteilen, die in allen Teilen der Welt gang und gäbe sind.

 

So wie die Dinge stehen, sind wir schlicht zu bequem, und wir schauen nicht auf das Leiden in der Welt, und wir sind auf Tiefste zügellos, uns selbst beglückwünschend und bequem geworden.

 

Die Lösung muss also für diejenigen, die bequem sind, lauten, ein Niveau ein Unbehagen aufzusuchen, was ausreicht, um sie dazu zu motivieren, aufzustehen, durch das Zimmer zu gehen und tatsächlich etwas zu tun, anstelle dessen, im Hinblick auf die Menschen in der Welt, die es nicht bequem haben, das eine oder andere zu denken oder über sie zu reden. Anderenfalls werden die Unbequemen in ihrer Reaktion extrem werden, und sie werden die Welt sehr rasch in einen Ort verwandeln, wo sich keiner von uns jemals mehr wird wohl fühlen können. Das ist der Ort, wo wir jetzt soeben in unserer Welt stehen.

 

Was alles ändern wird, ist eine neue Anschauung, und sodann eine Bestimmtheit, etwas damit anzufangen, nicht bloß uns selbst zu Tode zu 'om-en' oder vor einer Kerze zu sitzen, tief zu atmen und freundliche, sanfte Musik abzuspielen, und darüber zu reden, wie schön die Welt in Wirklichkeit ist, sondern, tatsächlich auf die Straße zu gehen, wo es eben dann schließlich darauf ankommt, und damit zu beginnen, Veränderungen an der Basis und Umgestaltungen in unserem alltäglichen Leben vorzunehmen.

 

Dort hat es zu passieren, weil es dort ist, wo der Terror vonstatten geht.



Matt: Ist das Gefühl nicht unbehaglich, obschon, ein Teil des Problems, da wir, wenn wir uns auf die negativen Aspekte der Erfahrung ausrichten, nicht einfach mehr Negatives erschaffen? Besteht nicht die Lösung darin, uns mehr auf den positiven Wandel auszurichten, den wir wollen?

 

Neale: Ja, aber der positive Wandel worin? Du kannst nicht nichts wandeln, du kannst nur etwas verändern, deswegen musst du an etwas denken, was du ändern möchtest. Das meint, du musst dir gewahr sein, was du ändern möchtest.

 

Das Ausrichten auf das Unbehagliche stellt nicht das dar, wovon wir hier reden. Wir sprechen hier davon, die unbequemen Wahrheiten zu bemerken und uns dann darauf auszurichten, wie wir die Dinge haben wollen. Doch musst du, sofern du dich auf das Positive fokussierst, sofern du dich auf neue Änderungen ausrichtest, die du machen möchtest, wissen, was du zu ändern versuchst. Was versuchst du zu ändern? Um zu erkennen, was du zu verändern versuchst, musst du daran denken. Du musst an die schlechten Dingen in der Welt denken, die vor sich gehen, weil es jene sind, die du ändern möchtest. Du kannst nicht einfach sagen: »Ich möchte in einem .... Ich kann nicht anführen, was ich ändern möchte, weil das ein Fokussieren auf das Negative wäre. Aber ich möchte etwas ändern, das weiß ich. Ich möchte etwas ändern.« Nein, du musst tatsächlich sagen: »Ich möchte ein Vorurteil ändern. Ich möchte die Unterdrückung der Menschen ändern. Ich möchte die Bedingungen ändern, die dazu beitragen, dass Kinder hungern.«

 

Du musst dir das anschauen und sagen ....

 

.... »Das ist es, was ich ändern möchte.« Ein Teil des Problems in der New-Age-Community lautet, dass wir uns mit dieser Idee befassen, mit der Idee, dass wir uns nur auf das Positive, allein auf das Positive - sei der Wandel, den du zu sehen wünschst - allein auf das Positive ausrichten. Aber was verändern? Sogar positive Denker müssen sagen: »Okay, auf den Gleisen kommt ein Zug heran.« Das ist, was so ist. Also, wollen wir von den Gleisen runter, oder wollen wir mehr Leute auf die Gleise bringen? Was wollen wir?

 

Matt: Wir müssen also zunächst wertschätzen und wirklich verstehen, wo wir jetzt stehen, um etwas zu ändern.

 

Neale: Wir müssen uns dessen gewahr sein, was wir bereits erschaffen haben. Der Prozess ist recht einfach. Wir alle erschaffen unsere eigene Realität, das stimmt, aber, um die Realität, die wir erschaffen haben, zu ändern und sie in Zukunft anders zu machen, müssen wir zum allerwenigsten bestätigen, was wir in unserer kürzlichen Vergangenheit erschaffen haben.

 

Zusehen, dass der Zug herankommt, ist nicht, ihn dorthin verbringen. Wenn ich zusehe, dass ein Zug kommt, erschaffe ich ihn nicht. Die Leute sagen: »Sage das nicht. Sage das nicht. Versuchst du das zu erschaffen?« Puh, warte einen Moment, ich erschaffe gar nicht, ich sehe nur einfach zu. Wenn ich beobachte, dass ein Zug herankommt, habe ich ihn nicht erschaffen, ich habe nur gesehen, dass er bereits erschaffen wurde, dass er bereits auf dem Weg ist. In einem vergangenen Augenblick wurde das erschaffen. Ja, ich war es, der ihn erschaffen hat, aber das war Damals und jetzt ist Jetzt.

 

In dem Jetzt habe ich eine gänzlich andere Entscheidung. Ausgehend davon, dass der Zug, der herankommt, bereits geschaffen worden ist, was möchte ich jetzt erschaffen? Was ist das Beste dabei? Falls ich eine neue Zukunft erschaffen möchte, mache ich das am Besten, indem ich ignoriere, dass der Zug herankommt, oder indem ich ihm aus dem Weg gehe?

 

Matt: Aus dem Weg gehen.

 

Neale: Natürlich, das ist offensichtlich. Wir müssen also als Erstes uns das anschauen, was wir in unserer Vergangenheit erschaffen haben, unsere neuliche Vergangenheit miteingeschlossen. Wir können sie nicht ignorieren, und wir können unseren Kopf nicht wie ein Vogelstrauß in den Sand stecken und vorgeben, sie sei nicht da. Wir müssen bemerken, was da ist, und dann sagen: »Also, was ist meine Wahl?« Dementsprechend habe ich ein wenig Ungeduld bei Leuten, die sagen: »Spreche darüber nicht, sage überhaupt nichts Negatives!«

 

Matt: Wirklich? Ungeduld?

 

Neale: Ja, natürlich. Genauso wie Jesus im Tempel, als er ein Seil nahm, Knoten darin machte, und die Geldwechsler aus dem Tempel trieb. »Ihr Vipern!«, rief er, »Ihr Heuchler!« Ich würde das eine kleine Ungeduld nennen. Und er wurde von Etlichen der größte Meister aller Zeiten genannt. Demnach, wenn das gut genug für Christus ist, dann ist das gut genug für mich.

 

Matt: War das nicht ein rechtschaffener Ärger?

 

Neale: Was ist der Unterschied zwischen rechtschaffenem Ärger und Ungeduld? Wie viele Engel passen auf den Kopf einer Nadel? Lasst uns mit den Wörtern keine Haarspalterei betreiben.

 

Matt. Ok, ich lass es einfach so stehen zu einer weiteren Diskussion.

 

Neale: Sicher, und ich bin nicht willens, das mit dir zu diskutieren. Lasst uns darüber reden. Was ist der Unterschied zwischen Ungeduld und rechtschaffener Entrüstung oder rechtschaffenem Ärger? Das ist das gleiche. Tatsache ist, das Motto meiner Gruppe der 1000 lautet »Sei ungeduldig«. Ich denke, rechtschaffener Ärger führt zur Ungeduld, und Ungeduld führt zu rechtschaffenem Ärger - das ist alles ein Kreis, wir gelangen zum selben Ort. Aber an der Ungeduld ist nichts Falsches. Alle großen Meister wurden ungeduldig. Am Ärger ist nichts Falsches. Ärger ist eine der fünf natürlichen Emotionen. Dasjenige, was du mit einem Ärger anfängst, das macht's. Wenn du Ärger dazu einsetzt, dein ernstestes Bestreben für Wandel zu befeuern, und hart daran zu arbeiten, dass der Wandel passiert, dann ist Ärger gut, dann ist Ärger mächtig. Wenn du Ärger dazu einsetzt, Andere zu verletzen, dazu einsetzt, auszukeilen, anzugreifen, zu zerstören, und nicht auf eine neue Weise wieder zu errichten, dann wird der Ärger wohl nicht so gut sein.

 

Gandhis Ungeduld mit der britischen Herrschaft über Indien schuf einen ganzen neuen Nationalstaat. Martin Luther King Jr.'s Ungeduld über die Vorurteile in den Vereinigten Staaten schuf die Bürgerrechtsbewegung. Ich bin voll und ganz für Ungeduld.

 

Matt: Ich gehe davon aus, es hängt von dem Geist ab, in dem diese Ungeduld zum Ausdruck gebracht wird.

 

Neale: Natürlich, wie bei allem. Das stimmt bei jedem einzelnen Gedanken, die wir haben. Das ist korrekt.

 

Matt: All diese Dinge, über die wir hier reden, beziehen sich genauso auf unser persönliches Leben wie auf den gesamten Planeten.

 

Neale: In der Tat, da wir alle eins sind, und das ist die Wahrheit.



Matt: Eine Menge der Glaubensvorstellungen, mit denen wir groß wurden, lehren uns, dass Gott für uns bereits einen Plan hat, bevor wir geboren wurden. Etliche sagen, wir kamen hierhin, wir trafen die Wahl, wer unsere Eltern sein sollten, etc. ....

 

Neale: Wir taten das. Das bedeutet nicht, dass wir einen Plan hatten. Die Farben auf deiner Palette auswählen bedeutet nicht, dass du weißt, welches Bild du malen wirst. Also, ganz entschieden, wir wählen die Farben auf unserer Palette aus. Wir wählen die Farben auf unserer Palette bei jedem Eintritt in das Leben aus. Wir haben immer noch den Pinsel, und die Leinwand ist blank. Wir haben keine Vorstellung von dem Bild, was wir malen werden; wir wählen einfach die Farben, die wir einsetzen möchten. Und auch dann noch, unterwegs erschaffen wir neue Farben, indem wir sie aus den Farben auf unserer Palette mischen.

 

»Mische nicht gelb und blau - du wirst grün bekommen!« Ich möchte grün bekommen, danke sehr; würden Sie bitte zur Seite gehen? Also, tatsächlich wählen wir die Farben auf unserer Palette aus, wir wählen unsere Eltern, wir wählen Dinge, wie unseren Geburtsort, unsere rassische Zusammensetzung, unsere Nationalität und solche Sachen, aus dem Leben für das Leben und aus dem Augenblick für den Augenblick, in der Ewigkeit des Jetzt. Aber das bedeutet nicht, wir hätten einen Plan im Sinn, auch bedeutet das nicht, dass Gott einen Plan hat. Gott sagt einfach: »Hier sind die Werkzeuge für deine nächste Lebenszeit«, und die Palette ist leer, und der Raum ist unbevölkert. Was wählst du nun zu erschaffen? Eine interessante Analogie, nicht wahr?

 

Matt: Also gibt es keinen Plan, es gibt keine Karte, der wir zu folgen haben. Es ist alles unsere Wahl, was wir tun sollten?

 

Neale: Nicht einmal das, was wir tun sollen, weil tun sollen etwas anzeigen würde, dass es da eine Art von Plan gibt. Dasjenige, was wir wählen, zu tun, ist das, was wir tun wollen.

 

Matt: Ist es möglich, deiner Meinung nach, zu wählen, etwas zu tun, was falsch ist?

 

Neale: Richtig und falsch existieren nicht. Richtig und falsch sind relative Begriffe. Relativ wozu? »Falsch« wozu, in Beziehung wozu? Ist Töten falsch? Das hängt alles davon ab, weswegen wir es tun, oder nicht? Wenn du jemanden tötest, um eine Bank auszurauben, oder weil du auf deinen Geliebten eifersüchtig bist, dann würde das von einigen Menschen als falsch bezeichnet werden. Wenn du jemanden tötest, um dein zwei Monate altes Baby davor zu retten, durch einen Verrückten in die Brust gestochen zu werden, durch ein Verrückten, der mitten in der Nacht in dein Haus eingedrungen ist, dann würden das Einige richtig nennen.

 

Richtig und falsch existieren also nicht. Das sind relative Begriffe - relativ zu demjenigen, was wir versuchen zu tun. Demnach ist es selbstverständlich möglich, etwas, was laut der Definition von einem Anderen falsch ist, zu tun. Es ist auch möglich, etwas richtiges zu tun laut der Definition eines Anderen, indem wir genau das gleiche tun.

 

Ist das nicht interessant? Was für ein Rätsel. Was für ein Abenteuer dieses Ding namens Leben ist.

 

Matt: Das ist es bestimmt. Es ist mitunter schwierig zu erkennen, was als Bestes zu tun ist, oder was ....

 

Neale: Es ist nicht schwierig zu erkennen, was das Beste zu tun ist, während du weißt, was du zu erzielen versuchst. Wir müssen uns also über Folgendes im klaren sein: Was versuchen wir zu erreichen?

 

Ein Beispiel, ein schlichtes Beispiel - versuchen wir etwas namens Frieden in der Welt zu erreichen? Lautet die Antwort Ja, dann könnten wir uns von Neuem anschauen, ob wir das erreichen können, indem wir Bomben abwerfen. Das meint, ist es möglich, ein Problem zu lösen, indem wir dieselbe Energie nutzen, die das Problem erschaffen hat? Einstein sagte Nein, und ich denke Einstein hatte recht.

 

Man kann das Problem der Gewalt nicht mit Gewalt lösen. Man kann das Problem des Hasses nicht mit Hass lösen. Das ist ziemlich einfach, wenn du darüber nachdenkst.

 

Matt: Ich gehe davon aus, es ist schwierig, wenn die Leute in einer bestimmten Weise des Seins festgesetzt sind, oder wenn es einen Kreis der Gewalt gibt, oder, wir haben solange auf eine bestimmte Weise gelebt, dass das alles ist, was wir wissen, oder dass es so aussieht, dass das alles ist, was wir wissen.

 

Neale: Ja, du hast genau recht. Es ist schwierig. Ich stimme dir da ganz bei. Es ist schwierig, sobald das alles ist, was wir erkannt haben, weswegen es so ist ....

 

.... was wir jetzt in der Welt brauchen, ist, etwas Neues zu wissen. Das meint, unsere Auffassungen über Gott, über das Leben, über einander, darüber, weswegen wir hier sind, und darüber, wie das Leben am Besten funktioniert, zu ändern.

 

Wir brauchen eine neue kulturelle Erzählung. Wir müssen eine gänzlich neue kulturelle Erzählung schreiben, und das ist jetzt auf dem Planeten vonnöten. Demzufolge brauchen wir ein ganz neues System der Bildung, das uns solch eine kulturelle Erzählung bereitstellt, solch ein brandneues Denken über die Welt und wie sie ist, und das uns eine andere Grundlage geben könnte, auf der wir fortfahren können, indessen wir die Wahl treffen, unser Leben in der Zukunft zu erschaffen.

 

Du hast recht, hätten wir keine anderen Erfahrungen außer denjenigen, die du erwähnt hast, wären wir in unserer Geschichte von gestern verstrickt, so wäre es sehr schwierig, ein neues Morgen zu schaffen. Gleichwohl, ein neues Morgen kann erschaffen werden, sofern wir willens sind, eine neue Erzählung zu erschaffen.

 

Ich möchte gerne sagen, die Zukunft ist sehr hell, aber sie kann nicht geändert werden, indem wir zu unseren früheren Tagen zurückgehen. Die helle Zukunft unseres Morgen wird nicht hinter unseren Schultern aufzufinden sein, sondern jenseits des Horizonts.

 

Matt: Hoffentlich können Leute wie du und ich etwas tun und helfen, das Bewusstsein von allem zu ändern und eine Besserung auf den Weg zu bringen.



Neale: Darin besteht die große Einladung, die das Leben an das Leben selbst verschickt, für reguläre Leute wie du und ich, genau das zu tun, und wir sind in der Lage, genau das zu tun. Es waren nur Leute wie du und ich, die das tatsächlich genauso getan haben.



Leute, die ein außergewöhnliches Leben leben, sind nicht notwendigerweise außergewöhnliche Menschen. Sie sind schlicht gewöhnliche Leute wie du und ich. Martin Luther King Jr. war ein gewöhnlicher Mensch. Gandhi war ein gewöhnlicher Mensch. Er wurde nicht auf einem anderen Planeten geboren, er wurde nicht persönlich von Gott gesalbt. Er erhielt nicht in eine Art spezielle Gabe vom Universum. Er war ein gewöhnlicher Mensch wie du und ich. Mutter Theresa war eine gewöhnliche Frau, wie eine ganze Menge anderer Leute auf diesem Planeten, aber gewöhnliche Leute, die außergewöhnliche Dinge tun - dasjenige wird jetzt die Welt verändern.



Matt: Neale Donald Walsch, herzlichen Dank dafür, dass wir heute miteinander telefoniert haben. Es war interessant und erleuchtend. Ihnen herzlichen Dank. Ich schätze das sehr.



Neale: Danke, gerne geschehen.

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Internetradio-Interview mit NDW 2004.pdf111.89 KB