Arten der Meditation

Über die Geh-Meditation (I) - Über die Meditation des Einhaltens (II) - Über die Meditation beim Sitzen (III)

Es gibt viele Menschen, die es recht schwierig finden, in stiller Meditation zu sitzen. Es hat den Anschein, als müssten sie die „Kunst der Meditation" entbehren.

Ich meinte das lange, weil ich von Natur aus ein ungeduldiger Mensch bin, und das Sitzen in stiller Meditation war nicht so meine Sache. Dann zeigte mir jemand die Geh-Meditation, und alles um die Idee der „Meditation" änderte sich. Plötzlich wurde es zu etwas, was ich machen konnte.

Das Erste, was mir passierte, als ich die Geh-Meditation kennen lernte, war, dass meine ganze Vorstellung von dem, was Meditation IST, sich auflöste, und durch ein klareres und umrisseneres Bild von dem, was da vor sich ging, ersetzt wurde.

Meditation bedeutete für mich stets, „den Geist von allem freizuhalten", um Platz zu machen für das Erscheinen der „Leere", sodass ich mich in Bewusstheit in „das Nichts, was Das Alles ist …" oder in etwas Ähnliches hineinversetzen konnte.

Ich stellte mir vor, was ich zu versuchen hätte, sei, „meinen Geist zu leeren". Ich stellte mir darunter vor, ich sollte versuchen, still an einem Platz zu sitzen, meine Augen dabei zu schließen und „nichts dabei zu denken". Das machte mich verrückt, denn mein Geist war nicht abzuschalten! Er dachte stets, dachte, dachte stets an etwas.

Deswegen war ich nie gut im Schneidersitz-Sitzen, die Augen geschlossen und mich auf das Nichts konzentrierend. Davon frustriert meditierte ich kaum mehr – und beneidete jene, die sagten, sie täten es (obgleich ich mich heimlich darüber wunderte, ob sie es wirklich taten, oder ob sie durch diese Bewegtheiten hindurchgingen, nicht anders als ich auch).

Dann sagte mir eine lehrende Meisterin in meinem Leben, dass ich von der Meditation eine ganz falsche Vorstellung hätte. Meditation, sagte sie, handelt nicht von Leere, sie handelt von Fokussierung. Anstatt zu versuchen, still zu sitzen und an nichts zu denken, schlug sie eine „Geh-Meditation" vor, umherzuwandern, und dabei einzuhalten und mich auf etwas Spezielles zu fokussieren, was mir unter die Augen komme.

„Betrachte einen Grashalm", würde sie sagen. „Betrachte ihn. Schau ihn von ganz nahe an. Nimm ihn ganz aufmerksam wahr. Betrachte alle seine Aspekte. Wie sieht er aus? Was sind seine besonderen Eigenschaften? Wie fühlt er sich an? Wie duftet er? Von welcher Größe ist er, verglichen mit dir? Schau ihn von ganz nahe an. Was sagt er dir über das Leben?"

Dann, sagte sie: „Erfahre das Gras in seiner Vollkommenheit. Zieh deine Schuhe und Strümpfe aus und geh barfuß auf dem Gras. Denk an nichts weiter als an deine Füße. Richte dein Augenmerk auf die Unterseite deiner Füße und betrachte außerordentlich genau, was du dort spürst. Sag deinem Geist an, für diesen Augenblick nichts anderes zu fühlen. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer denjenigen, die von den Fußsohlen kommen. Sollte es helfen, so schließe die Augen.

Gehe langsam und entschlossen, und erlaube es jedem langsamen und sachten Schritt, dir etwas über das Gras mitzuteilen. Öffne dann die Augen und schau auf all das Gras um dich herum. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer denjenigen über das Gras, die dich durch deine Augen und Füße erreichen.

Richte nun dein Augenmerk auf den Geruchssinn, und schau, ob du das Gras riechen kannst. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer denjenigen, die dich über deine Nase, deine Augen und Füße erreichen. Sei bestrebt, deine Aufmerksamkeit so organisieren zu können. Wenn das möglich ist, wirst du das Gras erfahren, wie du es vorher noch nie getan hast. Du wirst mehr über das Gras kennengelernt haben als je zuvor, auf einer tieferen Ebene. Niemals mehr wirst du es in der früheren Weise erfahren. Du wirst bemerken, dass du das Gras dein ganzes Leben lang ignoriert hast."

Dann sagte meine Meisterlehrerin zu mir, mach dasselbe mit einer Blume. „Betrachte sie. Schau sie von ganz nahe an. Nimm sie ganz aufmerksam wahr. Betrachte alle ihre Aspekte. Wie sieht sie aus? Was sind ihre besonderen Eigenschaften? Wie fühlt sie sich an? Wie duftet sie? Von welcher Größe ist sie, verglichen mit dir? Schau sie von ganz nahe an. Was sagt sie dir über das Leben?"

Dann, sagte sie: „Erfahre die Blume in ihrer Vollkommenheit. Berühr die Blume in dem Moment, wo du an ihr riechst. Denk an nichts weiter als an deine Nase. Richte dein Augenmerk auf deine Nase und betrachte außerordentlich genau, was du dort in Erfahrung bringst. Sag deinem Geist an, für diesen Augenblick nichts anderes zu fühlen. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer diejenigen von deiner Nase. Sollte es helfen, so schließe die Augen.

Nun richte dein Augenmerk auf deinen Tastsinn, und berühr die Blume sachte. Berühr sie im selben Moment, wo an du ihr riechst. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer den Daten, die von deiner Fingerspitze und von der Nase herrühren. Öffne nun deine Augen und sieh die Blume ganz von nahe an. Schau, ob du immer noch die Blume riechen kannst, wo sie nun weit genug weg ist, um sie anzuschauen und zu berühren. Sei bestrebt, deine Aufmerksamkeit so organisieren zu können. Wenn das möglich ist, wirst du die Blume erfahren, wie du es vorher noch nie getan hast. Du wirst mehr über die Blume kennengelernt haben als je zuvor, auf einer tieferen Ebene. Niemals mehr wirst du sie in der früheren Weise erfahren. Du wirst bemerken, dass du die Blumen dein ganzes Leben lang ignoriert hast."

Und sie sagte: „Erfahre den Baum in seiner Vollkommenheit. Lege deine Hand auf ihn und fühle ihn in seiner Gänze. Denk an nichts weiteres als an deine Hände. Richte dein Augenmerk auf deine Hände und betrachte außerordentlich genau, was du dort in Erfahrung bringst. Sag deinem Geist an, für diesen Augenblick nichts anderes zu fühlen. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer diejenigen von deinen Händen. Sollte es helfen, so schließe die Augen.

Nun richte dein Augenmerk auf deinen Geruchssinn, und rieche den Baum. Berühr ihn im selben Moment, wo du an ihm riechst. Ignoriere alle weiteren einströmenden Daten außer den Daten über den Baum, die von deiner Fingerspitze und von der Nase herrühren. Öffne nun deine Augen und sieh den Baum ganz von nahe an. Schau an ihm hoch, und sieh, ob du im Bewusstsein bis zur Spitze hochklettern kannst. Schau, ob du immer noch den Baum riechen kannst, wo er nun so weit von dir entfernt ist, dass du ihn dir von dort anschauen kannst. Berühr ihn weiterhin. Sei bestrebt, deine Aufmerksamkeit so organisieren zu können. Wenn das möglich ist, wirst du den Baum erfahren, wie du es vorher noch nie getan hast. Du wirst mehr über den Baum kennengelernt haben als je zuvor, auf einer tieferen Ebene. Niemals mehr wirst du ihn in der früheren Weise erfahren. Du wirst bemerken, dass du die Bäume dein ganzes Leben lang ignoriert hast."

Tritt nun von dem Baum zurück und kappe allen körperlichen Kontakt mit ihm. Schau, ob du in deinen Geist die Erfahrung des Baumes, wie du vor ihm stehst und ihn von weiter weg anschaust, einbringen kannst. Mach diese Erfahrung vollkommen. Sei nicht überrascht, wenn du den Baum von dort, wo du stehst auf eine Weise ‚spüren’ kannst. Es passierte, dass du dich selbst geöffnet hast für die Schwingung des Baumes. Du ‚fängst die Schwingung ein’. Schau, wie weit du dich von dem Baum entfernen und dabei immer noch mit ihm in ‚Kontakt’ bleiben kannst. Verlierst du die Verbindung mit der Baumerfahrung, so geh näher heran und beweg dich zu ihm hin. Schau, ob das hilft, wieder in Kontakt zu treten.

Diese Übung wird dir dabei aufhelfen, deine Fähigkeit zu entwickeln, deine Aufmerksamkeit auf jedwedes zu fokussieren, was du auf einem erhöhteren Level erfahren möchtest.

Gehe nun. Gehe wo auch immer du gerade bist. Auf dem Lande, in der Stadt, das tut nichts zur Sache. Gehe langsam, doch absichtsvoll. Und schau dich um. Richte deine Augen, worauf sie sich gerade richten möchten. Sobald deine Augen etwas aufsuchen, so fokussiere die Fülle deiner Aufmerksamkeit darauf. Es kann irgendwas sein. Ein Müll-Lastwagen. Ein Stoppschild. Ein Riss im Bürgersteig, ein Steinchen auf der Strasse. Schau es ganz nahe an, von dort, wo du bist. Nimm ihn ganz aufmerksam wahr. Betrachte all seine Aspekte. Wie sieht er aus? Was sind seine besonderen Eigenschaften? Wie fühlt er sich an? Wie duftet er? Von welcher Größe ist er, verglichen mit dir? Schau ihn von ganz nahe an. Was sagt er dir über das Leben?

Setze das Gehen fort. Such dir auf deinem Weg drei Sachen aus, die du so betrachten möchtest. Dieser Spaziergang sollte wenigstens eine halbe Stunde lang dauern. Zunächsteinmal ist das in kürzerer Zeit nicht zu schaffen. Später wirst du etwas in seiner Gänze in ebenmal einem Augenblick, in einer Nano-Sekunde, in der Lage sein zu betrachten. Jetzt sind wir aber in der Übephase.

Das ist die Geh-Meditation, und was du dabei tust, das ist, deinen Geist darin zu üben, mit dem Ignorieren all dessen aufzuhören, was du in Erfahrung bringst. Du trainierst deinen Geist, sich auf einen bestimmten Aspekt deiner Erfahrung zu fokussieren, so dass du sie vollständig erfahren kannst.

Führe diese Geh-Meditation drei Wochen lang derart aus, sagte mir meine Meisterlehrerin, dann „wirst du das Leben nie mehr in der früheren Weise erfahren". Schließlich, kommen wir zum letzten Schritt in der Geh-Meditation.

Gehe draußen – oder, in diesem Falle, auch drinnen. Du kannst überall gehen. Es reicht auch vom Schlafzimmer zur Küche. Es gibt viel zu sehen, viel zu berühren, viel zu erfahren. Allein mit dem Teppich kannst du drei Stunden verbringen – und dieses Mal nimmst du dir nicht einen besonderen Teil des Gesehenen oder des dir Begegnenden heran. Versuche, allem zu begegnen. Versuche, alles mit einzubeziehen. Versuche, dich auf alles auf einmal zu fokussieren.

Zieh das Große Bild in dich hinein. Wenn es hilft, dann schließe deine Augen erst einmal. Rieche was du riechst, höre was du hörst, fühle was du von dem Raum um dich herum ‚fühlst’. Dann öffne deine Augen und füge das Ansehen hinzu. Schau dir alles an, was du siehst, und nichts Einzelnes. Schau Dir Alles Davon an. Rieche Alles Davon. Fühle Alles Davon. Wenn dich das überwältigt, so fokussiere dich wieder auf einen Teil Davon, damit du dein psychisches Gleichgewicht nicht verlierst.

Mit genügender Übung wirst du bald in der Lage sein, jeden Raum oder Ort zu betreten und auf einer Ebene Alles Davon zu erfahren. Du hast dein Gewahrsein erhöht. Du hast dein Bewusstsein gesteigert. Du hast deine Befähigung, gänzlich in der Gegenwart, im Moment zu sein, vergrößert.

Nun – mach dies mit geschlossenen Augen und sitzend, und dann hast du die Stille Meditation. Bumm. So einfach ist das."

Dabei lächelte mich meine Meisterlehrerin an. „Dann versuch das beim Sex," sagte sie. „Hast du einmal Sex in dieser Weise erfahren, dann wirst du ihn nie mehr in früherer Art erfahren. Du wirst bemerken, dass du dein ganzes Leben lang ignoriert hast, was vor sich geht."

Und sie lachte.

Und dann machte sie die Probe auf das Exempel.

Nächste Woche erzähle ich von der Meditation des Anhaltens. Bis dann, Geht Wohl. NDW ~

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Die Meditation des Anhaltens

Es gibt viele Arten des Meditierens, und es war eine wunderbare Entdeckung, als ich die folgende kennenlernte.

Eine der machtvollsten Meditationsformen ist für mich das, was ich die Meditation des Anhaltens nannte. Der Grund, weswegen diese so machtvoll für mich ist, liegt darin, dass sie überall ausgeführt werden kann, und dass sie kaum Zeit abverlangt. Deswegen ist sie ganz geeignet für geschäftige Menschen „unter Weges".

Die Meditation des Anhaltens meint eben das. Sie meint, wir halten für mal einen Moment das an, was wir eben tun, und schenken ihm unsere Aufmerksamkeit. Wir zergliedern es in diesem Augenblick, und schauen uns dann eines dieser einzelnen Teile nahe an.

Es ist ein wenig verschieden von der Geh-Meditation, die wir letzte Woche erkundeten, nämlich dass sie nicht eine halbe Stunde oder mehr in Anspruch nimmt, wie es bei der Geh-Meditation der Fall ist. Bei der Geh-Meditation machen wir wohlerwogen einen Spaziergang für den wohlerwogenen Zweck eines wohlerwogenen Fokussierens auf eine wohlerwogene Erfahrung. Bei der Meditation des Anhaltens brauchen wir nicht annähernd so viel Zeit, doch wir können dasselbe erreichen. Die Fokussierung.

Die Meditation des Anhaltens kann inmitten eines sehr geschäftigen Tages angewandt werden. KOMBINIERT mit der Sitz- und der Geh-Meditation kann es ein mächtiges Werkzeug-Trio bilden, das deine Realität dramatisch verändern und dein Bewusstsein innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne zu heben vermag. Auch wenn sie als einzige Meditationsform genutzt wird, kann sie transformierend sein.

So funktioniert die Meditation des Anhaltens.

Beschließe, dass du sechsmal heute (und jeden Tag) alles, was du tust, für 10 Sekunden stoppst, und schaue direkt und absichtsvoll auf eine dieser Komponenten.

Sagen wir mal, du machst den Abwasch. Stoppe 10 Sekunden lang, was du gerade tust - STOPPE unmittelbar inmitten dessen - , und verschaffe dir tiefe Einsicht in einen Aspekt dessen, was du tust. Schau vielleicht auf das Wasser. Schau dir an, wie es auf das Geschirr spritzt. Schau, ob du die Wassertropfen auf der Schüssel in deiner Hand zählen kannst. Zähle eben die Wassertropfen. Ich weiß, es ist eine unmögliche Aufgabe, doch unternimm sie gleichwohl für gerademal 10 Sekunden.

Betrachte das Wunder des Wassers. Schau tief in es hinein. Spähe nach innen. GEHE nach innen, in dein Bewusstsein. Schau, was du dort erfährst, schau, was du findest. Halt nun für einen winzigen Moment ein und würdige diesen Moment in einzigartiger Weise.

Okay, nun sind die 10 Sekunden vorüber. Zieh dich nun aus dieser äußerst fokussierten Realität heraus und wieder hinein in den größeren Raum deiner Erfahrung. „Verliere" dich darin nicht. Blinzle schnell mit den Augen, oder schnippe mit dem Finger, um wieder herauszukommen. Nimm dann wahr, was du für diesen kurzen Moment erfahren hast.

Dann mach weiter mit dem, was du getan hast. Sei jedoch nicht davon überrascht, dass es eine ganz neue Qualität bekommt.

Was du tatst, ist, wirklich etwas wertzuschätzen. Etwas „wertzuschätzen" bedeutet, es größer zu machen, es zu vermehren, wie etwa ein Besitztum in einem Wert wertgeschätzt wird.

Bei der Nutzung der Meditation des Anhaltens steigerst du den Wert deines Lebens. Und des Lebens als solchem. Meiner Erfahrung nach bringt mich das unvermeidbar zu einem Ort des Friedens zurück.

Um dich daran sechsmal am Tag erinnern zu lassen, möchtest du vielleicht einen kleinen Timer bei dir tragen oder deine Uhr danach einstellen. Später nach dem Gewöhnen wird dein Einhalten sich automatisch einstellen. Ohne dass du daran erinnert werden musst.

Du läufst die Strasse entlang, und du wirst einfach eine Weile einhalten und eine Partie des vor dir Liegenden aussuchen und es wieder in tieferer Weise anschauen. Du wirst bemerken, was du davon schon kennst, doch wirst du es eingehender kennenlernen. Das nennt man „wieder kennenlernen" oder wieder erkennen. Der Zweck all deines Lebens ist genau das: wieder zu wissen, wieder zu erkennen, was wahr ist, und Was Du Wirklich Bist.

Es gibt Tausende Arten das zu machen. Es mag sein, dass du eine Spiegelung von dir im Schaufenster siehst. Vielleicht siehst du einen Bus vorbeifahren. Vielleicht erspähst du einen Hund auf der Straße, oder einen Kieselstein an deinem Fuß. Was du zur Fokussierung für die 10 Sekunden hernimmst, ist egal. Halte bloß für einen kleinen Moment inne und würdige diesen Moment in einzigartiger Weise.

Mache diese Erfahrung beim Liebe Machen. Halte für 10 Sekunden während des Tuns inne, trenne den Augenblick in seine Einzelteile auf, wähle einen Teil des Augenblicks aus und ziehe dich tief in ihn hinein. Es mag der Blick in die Augen deines/r Geliebten sein. Es mag ein Empfinden, das du spürst – oder erschaffst. Halte bloß für einen kleinen Moment inne und würdige diesen Moment in einzigartiger Weise.

Ich habe regelrechte Zeiträume, wo ich das mache, und das Liebemachen ist einer von ihnen. Unter der Dusche ein anderer. Beim Essen ein weiterer. Beim Wegnehmen einer Erbse oder eines Weizenkorns vom Teller. Betrachte es. Würdige es. Koste es dem Äußeren nach und vollständig. Deine Mahlzeiten werden nicht mehr dieselben sein. Dasselbe gilt für das Duschen. Dasselbe für dein Liebemachen. DU wirst nicht mehr derselbe sein.

Das ist die Meditation des Anhaltens. Sie braucht eine Minute täglich. Sechzig Sekunden in sechs einzelnen Raten. Sechs Augenblicke, in denen du die Heilige Erfahrung hervorbringen kannst.

Halte heute ein in dem, was du tust. HALTE einfach EIN. Schau tief in diesen Augenblick. Wenn nichts weiteres anliegt, so schließe deine Augen und fokussiere dich auf den Klang deines Atems. Mach die Erfahrung der reinen Energie des Lebens, wie sie sich in deinen Körper hinein und durch ihn hindurch bewegt. Höre dich gerademal für einen Augenblick atmen. Beobachte dich, wie du tiefere Atemzüge nimmst. Das bloße Hören auf dich selbst erweckt den Wunsch, tiefer in die Erfahrung hineinzugehen – und damit fängst du an, noch tiefer zu atmen. Es ist eine wunderbare Sache, etwas Außerordentliches. Das bloße EINHALTEN lässt dich tiefer gehen. Tiefer in deine Erfahrung, tiefer in den Geist Gottes.

Hier nun ein Meditationsprogramm, das ich vielen Menschen nahegelegt habe: (1) Geh-Meditation am Morgen; (2) Meditation des Anhaltens sechsmal am Tag; (3) Sitz-Meditation in der Nacht.

Der Zweck dieser Meditationen ist, die Fokussierung zu erreichen. Es handelt sich um die Fokussierung deiner Aufmerksamkeit auf deine Erfahrung hin. Der Grund für dieses Fokussieren: es erlaubt dir, hier und jetzt zu sein. Das Fokussieren auf das Jetzt zieht dich aus dem Gestern und dem Morgen weg. In jenen Illusionen existierst du nicht. Du hast deine einzige Realität in Diesem Moment, eben hier, eben jetzt.

In solcher Bewusstheit ist der Frieden zu finden. Ebenso auch die Liebe. Denn Frieden und Liebe sind ein- und dasselbe, und du wirst zu Ein- und Demselben, wenn du in die Heilige Erfahrung eintrittst. NDW ~

 

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„Wie kann ich mich meinem Inneren Selbst nähern?“

Neulich erhielt ich eine E-Mail von einer Frau namens Kimberly, die mir ein wunderbares Gedicht übersandte, das sie nach der GmG Lektüre über ihre Verbindung mit Gott schrieb. Sie bat mich dann um Vorschläge, wie sie sich ihrem »inneren Selbst« nähern könne.

Weiter unten die E-Mail, die ich an Kimberly sandte. Ich hatte es nicht vor, doch jene Mail stellt sich als eine wunderbare kleine Abhandlung über die Kunst der Meditation heraus. Hätte ich mich hingesetzt, um einen »Artikel über Meditation« zu schreiben, so denke ich hätte ich nicht solche Klarheit hervorbringen können. Sobald es jedoch unsere Absicht ist, einander beizustehen, glaube ich öffnen wir die Pforte zu enormer Weisheit. Hier nun die E-Mail als das Resultat …

Meine liebe Kimberley …

Zuerst einmal ein Dankeschön für das zugesandte Gedicht. Es ist ein wunderbarer Ausdruck deiner Empfindungen und deiner inneren Wahrheit nach der Lektüre des GmG-Materials, und es war ein ganz besonderes Geschenk, dies von dir zu erhalten.

Hinsichtlich der Anfrage nach einer persönlichen Führung, wie du dich dem inneren Selbst nähern könnest, da glaube ich, dass du das mit deiner Poesie getan hast. Diese ist eine der vielen Arten, in denen unser höheres Selbst mit uns spricht, und ich hoffe stark, dass du stets zu einer Niederschrift kommst, sobald du dich dazu inspiriert fühlst. Eine Sammlung solcher Verse mag eines Tages der Menschheit dienen.

Um dich für solche Inspirationen vorzubereiten, möchte ich den bereits vorhersagbaren Vorschlag machen (derart vorhersagbar, dass du das wohl schon ohnehin tust), dass du wenigstens zweimal am Tag eine stille Meditation im Sitzen machst. Bitte tu dies wenigstens 15 Minuten lang jeden Morgen und 15 Minuten jeden Abend. Wenn möglich, so versuche, dafür eine stets gleiche Zeit festzulegen. Dann versuch dich daran zu halten. Wenn du dich jedoch an einen solchen Zeitplan nicht halten kannst, so sei gewiss, dass jede Zeit recht ist, wenn es wenigstens zweimal am Tag, früh und spät, ist.

Such dir einen Ort, wo du absolut privat und allein bist. Bei mir funktioniert das, wenn ich nackt bin, da mich das von jedem Gespür eines „Weggesperrt-Seins“ vom Universum fernhält, wenn diese Formulierung für dich einen Sinn ergibt. Ich sitze also nackt, doch ist das kein Erfordernis, Kimberly. Es hilft mir nur, einen Geisteszustand zu erreichen. Wenn das Sitzen ohne Kleider am Leibe dir irgendwelche unguten Gefühle bereitet, oder wenn es einen Zustand des Geistes schafft, der nicht ganz offen, freudig und friedvoll ist, dann lege dir etwas Leichtes und Fließendes um. Doch versuche nicht, dich mit etwas zu kleiden, das dich irgendwie bindet und einschränkt, und dir dabei etwas anderes bewusst werden lässt als dein heiliges Selbst.

Bei der Meditation sitze ich manchmal draußen, wenn es schön und warm ist, und lade die Sonne dazu ein, mich einzuhüllen, oder nachts mit den glitzernden Sternen über mir. Drinnen sitze ich neben einem Fenster und lasse die Abendsonne sich in mich ergießen und den Nachthimmel mich einschließen.

Es gibt keine „richtige“ Art für die stille Sitz-Meditation. (In Wahrheit gibt es keine „richtige“ Art, wie irgendwas zu machen ist.) Man kann dabei in einem bequemen Stuhl sitzen, oder auf dem Boden, oder aufrecht im Bett. Nimm was für dich am besten ist. Ich sitze auf dem Boden, gewöhnlich ohne Rückenkissen, doch bei Gelegenheit gegen eine Wand oder was ähnliches gelehnt, Da das Sitzen auf dem Boden mich mehr im Raum „präsent“ hält. Wenn ich zu bequem sitze, wie etwa in einem gepolsterten Sessel oder auf dem Bett, dann neige ich dazu, einzunicken und aus dem Moment mich fortzuschleichen. Sitze ich auf dem Boden oder draußen auf dem Gras, geschieht dies selten. Ich bin mental ganz „präsent“.

Sitze ich einmal, so fange ich an, meine Aufmerksamkeit auf mein Atmen zu lenken, meine Augen zu schließen und schlichtweg darauf zu hören, wie ich ein- und ausatme. Ich bin in der Dunkelheit, und meine Aufmerksamkeit ist nur auf das gerichtet, was ich höre.

Habe ich mich „geeint“ – das ist das einzige Wort, was ich als hierfür passendes finden kann – mit dem Atemrhythmus, dann beginne ich, meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was mein „inneres Auge“ sieht. Gewöhnlich ist das an diesem Punkt nichts anderes als Dunkelheit. Sehe ich Bilder – das meint „denkende Gedanken“ über etwas und diese vor mir zu schauen – dann bin ich dabei, diese Gedanken auszuleiten, wie es das „Ausblenden ins Schwarze hinein“ auf der Filmleinwand der Fall ist. Ich richte meinen Geist auf die Leere. Mein inneres Auge fokussierend spähe ich tief in diese Dunkelheit. Ich suche nach nichts im besonderen. Ich spähe einfach tief und erlaube mir, nach nichts zu suchen.

Bald durchstößt die Dunkelheit, so meine Erfahrung, etwas, was wie eine kleine flackernde blaue „Flamme“ oder ein Aufbrechen eines blauen Lichtes erscheint. Wenn ich, so finde ich, damit beginne, darüber kognitiv nachzudenken – das meint, es zu definieren, es mir zu beschreiben, zu versuchen ihm Gestalt und Form zu geben, oder es zu etwas „bedeuten“ zu wollen -, dann verschwindet es unmittelbar. Die einzige Weise, wie ich „es dazu bringen kann, zurückzukehren“, ist, ihm in meinem Geist keinen Raum zu schenken. Ich bin stark damit beschäftigt, meinen Geist abzustellen und einfach im Moment und in der Erfahrung zu sein, ohne es zu beurteilen, es zu bestimmen, oder zu versuchen, etwas geschehen zu machen oder es herausfinden oder aus meinem logischen Zentrum her verstehen zu wollen. Es ist ziemlich wie beim Liebemachen. Dort auch muss ich meinen Geist abstellen, damit die Erfahrung mystisch und magisch wird, muss ich im Moment und in der Erfahrung sein, ohne zu beurteilen, ohne zu bestimmen, oder zu versuchen, etwas geschehen zu machen, ohne es herausfinden oder von meinem logischen Zentrum her verstehen zu wollen.

Meditation ist Liebemachen mit dem Universum. Sie ist das Vereinen mit Gott. Sie ist das Vereinen mit dem Selbst. Sie soll nicht verstanden, erschaffen oder näher bestimmt werden. Man versteht nicht Gott, man erfährt schlichtweg Gott. Man erschafft nicht Gott, Gott existiert einfach. Man bestimmt nicht Gott, Gott definiert einen. Gott IST der Definierende und der Definierte. Gott ist die Definition selbst.

Setze das Wort Selbst anstelle des Wortes Gott im obigen Absatz, und die Bedeutung bleibt dieselbe.

Kommen wir nun zurück zum Tanz der blauen Flamme. Wenn du deinen Verstand davon abziehst, während du deine Fokussierung darauf belässt, ohne Erwartung oder irgendeinen Gedanken, dann wird das flackernde Licht wiedererscheinen. Der Trick ist es, deinen Verstand (das meint deinen PROZESS DER GEDANKEN) davon fern zu halten, während du deine Fokussierung (das meint

Deine UNGETEILTE AUFMERKSAMKEIT) darauf belässt.

Kannst du dir diese Dichotomie vorstellen? Das bedeutet, etwas Aufmerksamkeit zu schenken, dem du nicht Aufmerksamkeit schenkst. Es hat viel Ähnlichkeit mit dem Tagträumen. Es ist, als säßest du im hellsten Tageslicht, inmitten eines Platzes voller Aktivitäten, und du schenkst all dem keine Aufmerksamkeit, oder allem auf einmal. Du erwartest nichts, benötigst nichts, und nichts im besonderen nimmst du wahr, doch bist du derart FOKUSSIERT auf das „Nichts“ und das „Alles“, dass dich jemand schließlich wieder dort herauszuholen hat (vielleicht wirklich mit einem Fingerschnippen), indem er sagt: „Hei! Hast du einen TAGTRAUM????“

Gewöhnlich tagträumt man mit einem einzelnen offenen Auge. Meditation ist „tagträumen mit geschlossenen Augen“. Das kommt dem recht nahe, wie ich meine eigene Erfahrung darlegen kann.

Nun erscheint die blaue tanzende Flamme wieder. Erfahre sie einfach, und versuch nicht, sie zu bestimmen, sie zu bemessen, sie dir irgendwie zu erklären. Pur … fall in sie. Es scheint, als komme die Flamme auf dich zu. Sie wird in deinem inneren Visionsfeld größer werden. Es ist gar nicht die Flamme, die sich auf dich zubewegt, sondern es bist DU, der sich in die Erfahrung und in das Innere der Erfahrung hineinbewegt.

Wenn du Glück hast, so wirst du das VÖLLIGE EINTAUCHEN in dieses Licht erfahren, bevor dein Verstand über sie zu reden und zu erzählen anfängt. Wenn du nur einen Augenblick dieses verstandeslosen Eintauchens erlebt hast, dann wirst du die Glückseligkeit erfahren haben. Es ist die Glückseligkeit des völligen Wissens, der völligen Erfahrung des Selbst als Eins, als Eins mit allem von ihm, mit allem, mit dem Einzigen Ding Was Ist.

Du kannst diese Glückseligkeit nicht „ausprobieren“. Siehst du die blaue Flamme und fängst du an, mit dieser Glückseligkeit zu rechnen, dann wird die Flamme meiner Erfahrung nach sofort verschwinden. Das Vorhersehen und/oder die Erwartung beendet die Erfahrung. Dies deswegen, weil die Erfahrung GENAU JETZT geschieht, und Vorhersehen oder Erwarten VERBRINGT SIE IN DIE ZUKUNFT, WO DU NICHT BIST.

Nun – weiter oben nahm ich Bezug auf die Erfahrung des Liebemachens. Das tat ich aus besonderem Grund. Dies ist eine wunderbare Übung für jene, für die es schwierig ist, die Reise zur Verstandeslosigkeit in stiller Meditation zu unternehmen.

Wenn du einen Intimpartner hast, dann magst du herausfinden, dass die Erfahrung der geschlechtlichen Vereinigung eine außerordentliche Gelegenheit darstellt, die Anfänge der Reise zur Glückseligkeit oder zum verstandeslosen Einssein zu erfahren. Du musst dich in deiner geschlechtlichen Begegnung zurückziehen vom Wünschen, dich jedes Hoffens enthalten, jedes Verlangen verlassen, alle Erwartungen zurückweisen, dein Selbst in den Moment versenken, absolut ohne das Vorhersehen von irgendwas im besonderen. Es ist nicht leicht, doch es ist möglich. Wenn du das erreichst, hast du das verstandeslose Einssein erreicht. Das ist das –Nirwana. Das ist die Glückseligkeit.

Dann, wo du weißt, dass solch ein Zustand möglich ist, ist es dein nächster Schritt auf der Reise, diesen Zustand nicht vermittels der körperlichen Vereinigung mit einem anderen zu erreichen sondern durch die metaphysische Vereinigung mit dem Selbst. Dieselbe Glückseligkeit kann in der stillen Meditation erreicht werden.

Nachdem du denselben Glückseligkeitszustand erreicht hast, wirst du den GRUND dafür kenngelernt haben, dass die Glückseligkeitserfahrung vermittels der körperlichen Vereinigung mit einem Anderen identisch ist mit der Glückseligkeit, die du erfährst vermittels der Vereinigung mit dem Selbst.

Es IST niemand AUSSER dem Selbst.

Da IST kein „anderer“.

Die gänzliche liebende, erwartungslose, nicht verlangende, nicht bedürftige geschlechtliche Vereinigung bestätigt dies. Die gänzlich liebende, erwartungslose, nicht verlangende, nicht bedürftige metaphysische Vereinigung mit dem Selbst bestätigt dies gleichfalls.

In deinem Schreiben an mich, Kimberly, schreibst du: „Wenn du irgendwelche Vorschläge dafür hast, wie ich mich meinem inneren Selbst nähern könnte, so fühle dich bitte frei, deine Gedanken zu äußern“. Eben das habe ich getan. Es gibt auch noch weitere Gedanken, die ich habe. Als nächstes werden wir über Geh-Meditation sprechen. Doch wirst du mich daran zu erinnern haben. Ich werde alles von diesem Beitrag an dich vergessen haben, sobald ich hier den Brief abschließe, fürchte ich. Ich bin so „im Moment“, dass ich vergesse, was ich den Menschen sage. Deswegen erinnere mich in einer Woche oder so, und ich werde mit dir fortfahren ….

Für jetzt sende ich dir die besten Wünsche für dich.

Mit Umarmen … Neale.

 

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Eine weitere Auskunft, die Meditation betreffend, an einen Fragenden erteilt ND Walsch ...hier... 

 

 

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