Konflikte lösen - auf Provokationen antworten - Serie -

Dienstag, den 5. Dez. 2006
»Das Lösen von Konflikten, die Antwort auf Provokationen – Teil I«

Ich denke, es ist interessant, darauf zu schauen, wo wir im Augenblick stehen hinsichtlich unserer zivilisierten Gesellschaft.

Am Sonntag gab es einen Nachrichtenbeitrag von Associated Press, der davon berichtet, dass ein 14-jähriger Junge in Columbus, Ohio, der Eier gegen Autos geworfen hatte, von einem Fahrer eines Geländewagens beschossen und getötet wurde.

Die Polizei stellt dar, Danny Crawford sei am frühen Samstag in einer Strasse auf der West Side der Stadt gestorben. Er habe zusammen mit zwei weiteren Gleichaltrigen Eier auf Autos geworfen, als ein getroffener Gelände-Jeep die Jagd auf sie aufnahm. Das Fahrzeug hielt an und feuerte einige Salven ab, berichtet ein Polizeibeamter aus Columbus.

Noch am Sonntag war die Polizei auf der Suche nach dem Schützen, der in dem eierbeworfenen Wagen davongerast war, und dann den Geländewagen in der Nähe der Todesstelle Crawfords stehen gelassen hatte. Die anderen Teenager wurden nicht verletzt, sagte die Polizei gegenüber AP.

Es geschieht zur Zeit etwas sehr Bedeutungshaftes in unserer Gesellschaft, und es ist derart direkt-unter-unserer-Nase, dass es Viele von uns vielleicht nicht mitbekommen. Als ich ein kleiner Junge war, konnte etwas wie das Beschriebene nicht passieren. Oder wenigstens war es sehr, sehr selten. Heute ist diese Art von Gewalt als Antwort auf eine Provokation weitaus allgemeiner geworden.

Ich denke mir das nicht aus. Ich übertreibe nicht. Und ich weiß, du weißt das. Ein Blick in die Morgenzeitung, eine Minute CNN wird es bestätigen. Und ich weiß, es gibt Jene unter euch, die diesen Blog lesen, die es ums Verrecken nicht haben möchten, dass ich mich auf negative Dinge wie diese konzentriere. Nichtsdestotrotz – wie ich bereits an dieser Stelle so oft geschrieben habe -, wir können den Zug am Herankommen nicht hindern, sofern wir zueinander nicht sagen: „Der Zug kommt. Sollen wir von den Schienen runter?"

Was ich gerne tun möchte, in positiver Weise, freilich mit voller Wachheit, mit vollem Gewahrsein, ist, an diesem Ort in einigen der kommenden Blog-Einträgen die Rolle von Gewalt in unserem Leben (von verbaler und emotionaler, wie auch von physischer Gewalt), und desgleichen, unsere Annäherung an das Lösen der Probleme und an die Konfliktlösung zu erörtern – mitsamt einiger neuer Ideen darüber, wie das zu handhaben ist. Ich denke, dies wird zu einer guten Erkundung, und wird Anwendung finden im täglichen Leben von uns allen. Ich habe mir angeschaut, wie ich mich dem Problemlösen und der Konfliktlösung nähere, und ich sehe, ein tieferes Erforschen auf meiner Seite könnte jetzt hilfreich sein.

Zur Zeit stehen wir immerhin in der Jahreszeit des Friede auf Erden, den Männern und Frauen und Kindern und allen Lebenden Kreaturen ein Wohlgefallen. Lasst uns zusammen erkunden, wie dies hervorgebracht werden kann (und ob es überhaupt möglich ist).

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Mittwoch, den 6. Dez. 2006

[Teil II]

»Den Primär-Wert ändern«

Ich sprach gestern hier über etwas, was in der menschlichen Gesellschaft im Verlauf der vergangenen 25 Jahre passiert ist, das alles änderte. Es ist eines der vielen Leben-ändernden Vorkommnisse, die auf der Erde innerhalb der zweiten Hälfte meiner Lebenszeit erfolgten, doch ist es vielleicht das eine wichtigste.

Was geschah … einige Menschen – Menschen an machtvollen und einflussreichen Orten – begannen, den Primär-Wert zu ändern.

Der Primär-Wert ist ein von mir verwendeter Begriff, der den letztlichen Kleber beschreibt, der die Gesellschaft beisammen hält. Wir könnten ihn die Am Allgemeinsten Innegehaltene Vorstellung, oder vielleicht den Höchsten Kollektiven Gedanken, nennen. Er ist die Auffassung auf höchster Ebene, die wir alle hinsichtlich Leben, hinsichtlich uns selbst und hinsichtlich einander teilen. Und er dient als Leitlinie oder Maßstab, während wir unsere Wahlen treffen und unsere Handlungen bestimmen. Er beeinflusst sogar – vielleicht beeinflusst er insbesondere – unsere Gedanken, von denen her praktisch alles entspringt, was wir sagen und tun.

Der Primär-Wert ist das, dem wir alle beistimmen, und von dem wir sagen, wir würden es nicht verletzen. Der Primär-Wert ist gegenüber dem Makrokosmos der menschlichen Erfahrung das, was ein Kollektiver Wert gegenüber dem Mikrokosmos ist. Und Kollektive Werte gehen aus Werten niedrigerer Ebene hervor, die ich Individuelle Werte nenne.

Lasst mich das erklären. In den meisten menschlichen Gesellschaften ist es zur Zeit dem Individuellen Wert beizuordnen, dass die Menschen grundlegenden Verkehrsgesetzen, Ampeln und „Verkehrsverhaltensregeln" nachkommen. Die meisten Menschen in den meisten Ländern halten bei einer roten Ampel an, die meisten Fahrer geben den von rechts Kommenden Vorfahrt, und so fort. Dies ist für alle Individuen von Wert, sich so zu verhalten. Der Wert ist Sicherheit.

Dieser Individuelle Wert ist für jeden ersichtlich, und er wurde auf den Marktplatz des Verhaltens verbracht von Einzelnen in der menschlichen Gesellschaft, die zusammen arbeiten, um einem größeren Kollektiven Wert zu dienen, namens friedliches Ko-Existieren -, der wiederum dem Primär-Wert dient.

Kannst du nun ahnen, was der Primär-Wert ist?

Richtig. Selbstverständlich. Man nennt ihn Leben. Für die meiste Zeit der menschlichen Historie war der Primär-Wert das Leben.

Dies hat nun begonnen, sich zu ändern. Kürzlich haben sich Teile der Menschheit vom Leben als dem Primär-Wert fortbewegt, hin zu einem neuen Primär-Wert, der unsere Handlungen leitet, erzeugt und befördert. Dieser neue Primär-Wert ist Recht Haben.

Und darin liegt die Gefahr. Denn wenn Recht Haben das Leben als den Primär-Wert der Menschheit ersetzt, ist die Menschheit verloren. Denn, wer vermag zu sagen, was „recht" ist?

„Recht" ist ein bewegliches Fest (um mir einen Satz von Hemingway zu leihen). Ich nehme wahr, es gibt einige Leute, die dem nicht beipflichten, die nicht denken, das „Rechte" – und das, was „Recht" IST – könne sich möglicherweise von Situation zu Situation, von Umstand zu Umstand, von Augenblick zu Augenblick, ändern. Aber ich mache die Beobachtung, dass es das kann. Und dass es das tut. Deswegen ist das Übernehmen des Recht Habens als den Primär-Wert derart riskant, derart gefährlich.

Während LEBEN der Primär-Wert ist, gibt es weniger Platz für Streit, für Meinungsverschiedenheit oder Fehlverständnis, weil das, was dem Leben Dient weit weniger in Frage steht als das, was „recht" ist. Ja, es gibt immer noch Fragen, aber bei weitem nicht so viele. Die Linie ist klarer gezogen.

Zum Beispiel, ist es „richtig", Gewalt zur Lösung einer Meinungsverschiedenheit einzusetzen? Dient dies dem Leben?

Nun wissen wir, es gibt Jene, die auf beide Fragen mit Ja antworten würden, abhängig von den Umständen. Es ist allerdings auch beobachtbar, dass die Anzahl der Leute, die die zweite Frage mit Ja beantworten, kleiner ist als die Anzahl der Leute, die die erste Frage mit Ja beantworten. Das heißt, viele Menschen werden in einer gegebenen Situation behaupten, das „Richtige" sei auf ihrer Seite, und dass sie ein „Recht" haben, Gewaltmittel einzusetzen, um eine Lösung für eine Meinungsverschiedenheit herbeizuführen, doch eine kleinere Anzahl von Menschen wird behaupten, dies zu tun, diene dem Leben. Aus diesem Grunde würden sie alle Mittel versuchen, um Gewalt zu vermeiden, auch in Fällen ernsthafter Meinungsverschiedenheiten.

Doch während der Primär-Wert sich ändert, während das Recht Haben zum Wichtigsten wird, und nicht das Leben, bröckelt das tiefste Fundament der menschheitlichen Interaktionen. Wir wissen nicht mehr länger, was von „dem Feind" zu erwarten ist. Er weiß nicht mehr länger, was von uns zu erwarten ist. Jeder wird aufs Äußerste misstrauisch, jeder setzt sich „auf Wacht", jeder wird stark nervös, unter stärkster Rutschgefahr, wachsam und reaktiv, und nicht: sicher und kreativ.

Dann, wenn in dem Ausführen der menschlichen Angelegenheiten die Reaktion an die Stelle der Schöpfung tritt, kehren sich diese Angelegenheiten ins Saure. Dies gilt über den Küchentisch, wie auch über Kontinente hinweg.

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Donnerstag, den 7. Dez. 2006

»Die Trennung beenden, die Gewalt verringern«

Gestern sprach ich an dieser Stelle davon, dass sich, sobald beim Ausführen der menschlichen Angelegenheiten die Reaktion an die Stelle der Schöpfung tritt, jene Angelegenheiten ins Saure kehren. Dies gilt über den Küchentisch, wie auch über die Kontinente hinweg.

Nun möchte ich eine Revolution vorschlagen. Ich glaube, die Menschheit sollte ihren Primär-Wert ändern, den sie gerade unterhält; der Wandel sollte nicht vom LEBEN zum RECHT HABEN sein – was allem Anschein nach gegenwärtig die Umwandlung darstellt. Wir sollten den Primär-Wert ändern, da sogar das Festhalten an Leben als einem Primär-Wert mit Komplexität und mit Konfusion befrachtet ist. Zu viele Fragen können immer noch bleiben. Was verstehen wir unter „Leben"? Und was dient dem „Leben"?

Ich möchte einen neuen Primär-Wert vorschlagen, der näher an jeden Primär-Wert heranreicht, den wir eingenommen haben, um Gewalt und Leiden auf unserem Planeten zu beenden. Lasst uns den Primär-Wert ändern von LEBEN …. zu EINSSEIN.

Wäre die Einsheit der globale Gedanke, der globale Primär-Wert, die Idee, die wir uns von uns selbst über uns selbst senden, so würden wir rasch ein neues System der Ökonomie, einen neuen politischen Prozess, einen neuen Ausdruck der Religion, eine neue Art von Leben alle zusammen erschaffen. Wir würden mit der Theologie der Trennung Schluss machen – eine Theologie, die darauf beharrt, dass Gott „da drüben" ist, und dass wir „hier auf der Seite" sind.

Für mich ist es klar, dass eine Theologie der Trennung eine Soziologie der Trennung hervorbringt, die eine Pathologie der Trennung hervorbringt. Unsere Richtung der Trennung von Gott erschafft eine Pathologie der Trennung von allem, einschließlich voneinander (ja in der Tat, sogar uns selbst eingeschlossen), die jede menschliche Interaktion durchdringt und die Erfahrung der Menschheit erzeugt.

Es ist unser Beharren darauf, dass wir separierte Wesen sind, die separate Erfahrungen leben, was den Konflikt und das Leiden in unserer Welt produziert. Die Gelegenheit, die uns nun zur Hand ist, besteht darin, eine massive Wandlung im globalen Bewusstsein zu erschaffen und schließlich der Gespaltenheit, dem Konflikt und der Gewalt auf unserem Planeten ein Ende zu bereiten. Wir können die Welt als Ganzes dem jahrhundertealten Traum von Friede auf Erden, den Menschen überall ein Wohlgefallen, näher bringen.

Vor ein paar Tagen schloss ich in dieses Blog eine AP-Story über einen Jungen ein, der dafür getötet wurde, dass er Eier auf Autos warf – ein Dummejungenstreich der Kindheit. Der Fahrer eines Geländewagens geriet in Wut, als sein Wagen getroffen wurde, wendete das Auto und nahm die Verfolgung der kleinen Jungengruppe auf, die die Eier geworfen hatte, hielt an, als er ihnen nahe war, sprang mit einem Gewehr aus dem Jeep und schoss auf die Kinder; dabei tötete er einen von ihnen. Er sprang dann wieder in sein Auto und raste davon.

Gewalt ist der physische Ausdruck einer im Geist gehaltenen Vorstellung, dass wir voneinander getrennt sind. Hielten wir eine andere Vorstellung in unserem Geist inne, so könnten wir uns nicht mehr länger derartiges Leid zufügen. Wir könnten nicht einmal von so etwas träumen.

Das Ende der Trennung würde ein Ende der Gewalt erbringen. Oder bestimmt deren Verringerung. Eine enorme und beeindruckende Verringerung. Vielleicht gar den Beginn der 1000 Jahre Frieden, die so lange auf diesem Planeten vorhergesagt wurden.

Lasst uns diese Weihnachtszeit dafür hernehmen, uns das ernsthaft anzuschauen, was wir als Einzelne tun könnten, um unsere Pathologie der Trennung zu beenden und um Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen, zu erschaffen.

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